Dienstag, 22. Februar 2011

*12* Endzeit-Fokussierung: Guttenberg-Wetterleuchten

Vordergründig ist die Guttenberg-Schmieren-Komödie das Resultat des Agierens eines unreifen, völlig überforderten Tölpels, der in seinen Entscheidungen in den Bundeswehrskandalen (großes Klein-Massaker, Gorch-Fock-Skandal, Missbrauch der Ehefrau als Ilse-Werner-Truppenbetreuungs-Verschnitt) so schnell andauernd hin und her schwingt, wie die Affen im Zoo von Münster ihre Bodies im Gefangenschafts-Syndrom. Das gleiche Schwingen zeigt sich im Verhalten zu seinem größten Fiasko, dem Verlust aller wissenschaftlichen Reputation durch kompletten Diebstahl fremder Texte in seiner Doktor-Dissertation. Seine Arroganz von gestern, jedes Schuldanerkenntnis wegzufegen, schlägt heute schon in das Einziehen des Schwanzes eines geprügelten Hundes um. Oder, aus der Verhaltensforschung besser bekannt: Gestern krähte er noch als Doktoranden-Sieger wie ein Hahn nach gewonnenem Zweikampf auf dem Mist – heute gibt der gleiche Hahn auf, beginnt im Sand nach Futter zu scharren, als ob er nie was anderes gemacht hätte.

Hinter dem Vorhang dieses Theaters wurden indessen die Endzeit-Konturen deutlicher sichtbar. Stefan Weber, Lehrbeauftragter für Medientheorie an der Universität für angewandte Kunst Wien, beschäftigt sich seit 2002 auch wissenschaftlich mit der Plagiatsthematik. Er deckte in der „tagesschau.de“ den generellen Doktorandenschwindel auf. Von 300 geprüften Dissertationen waren 70 mit Plagiaten gespickt. Nur in 11 Fällen wurden den Plagiatoren die akademischen Grade aberkannt. Zu den Dieben geistigen Eigentums gehört der Österreichische Wissenschaftsminister Johannes Hahn, der jetzt EU-Kommissar ist. Weber hat, zusammen mit Kollegen, das der Universität Wien angezeigt, doch die trifft keine Anstalten, der Anzeige nachzugehen. Guttenberg hätte somit hinsichtlich seines Titels nicht sehr besorgt sein müssen, denn was dem österreichischen Wissenschaftsminister zuzubilligen ist, müsste nach dem Gleichbehandlungsgebot auch dem deutschen Kriegsminister als „Selbstverständlichkeit der Korruption im demokratischen Rechtsstaat“ zukommen. Der Unterschied zwischen Kairo und Tripolis einerseits und Berlin und Wien andererseits ist nur graduell: Bescheißen tun sie alle. Weil, wie Michel Glos von der CSU heute im SPIEGEL sagt: „Jeder sich selbst der Nächste ist“ und schon Marx sagte im „Manifest“ dass im Kapitalismus alle idyllischen Bande zerstört und durch die Eiseskälte der „baren Zahlung“ ersetzt wurden; es ist der generelle viehische Überlebenskampf der Individuen und ihrer Bandenbildungen, von der Räuberbande bis zum zivilisierten „Rechtsstaat“. Er tritt jetzt in seine End-Phase ein, in den Gruhl-Absturz der „Himmelfahrt ins Nichts“.

Nun wurden Doktortitel immer schon verkauft. Nach 1945 konnte man Führerscheine und Arztdiplome auf dem Schwarzmarkt kaufen. Einige dieser Ärzte leiteten damit sogar erfolgreich über die Jahre hinweg Krankenhäuser bis es aufflog. Was zeigt, wie wenig man eigentlich als Arzt wissen muss. Es ist bekannt, dass angehende Ärzte „sich durch die Prüfungen husten“. Die Dürftigkeit ihrer Kenntnisse wird auch offenbar in den Nachprüfungen, denen sie sich unterziehen müssen, wenn sie auf den Wagen der von ihnen viel geschmähten Homöopathie aufspringen wollen, um auch auf diesem Markt Kasse zu machen. Ein Bekannter erzählte, dass bei seiner Prüfung als Heilpraktiker auch Schulmediziner geprüft wurden, die das Heilpraktiker-Diplom erhalten wollten. Die dabei geforderten schulmedizinischen Grund-Kenntnisse, die jeder Homöopath nachweisen muss, kannten diese staatlich geprüften Ärzte der Schulmedizin mitnichten, so dass der Prüfer so erbost war, dass er ein Verfahren zur Aberkennung ihrer Approbation  einleiten wollte.

Ein Schlüsselerlebnis wird von dem nicht unbekannten Franz Konz geschildert, einem ehemaligen Finanzbeamten, der mit der Primaten-Urnahrung jede Krankheit heilt. Der berichtet, dass ihm ein Freund, ein Rechtsanwalt, eine Situation schilderte, wo er zusammen mit einem persönlichen Freund, einem Chirurgen, die Nacht durchgesoffen hätte. Am nächsten Morgen brütete er über Klienten-Akten ohne eines klaren Gedankens fähig zu sein. Er fragte sich, wie das gleiche wohl bei seinem Freund aussehen musste, der im Operationssaal seiner Arbeit nachzugehen hatte und er rief ihn deshalb an. Der antwortete: „Was willst du? 90% dessen, was wir machen, ist ohnehin Pfusch“.  

In dieser Situation tritt nun Helmut Schmidt auf, ein angejahrter, aber augenscheinlich ebenfalls zurück gebliebener Kriegsminister und wirbt für eine Charta, dass kein Mensch lügen dürfe. Dabei ist bekanntlich das Lügen und Betrügen ein Evolutionsvorteil; schon unsere Schimpansen-Vettern beherrschen das Milieu. Und alle wollen illegal Kasse machen. Also fälschen alle alle Prüfungsdokumente,  so gut oder sie schlecht sie eben können und ihre Prüfer sind ebenso faul oder korrupt, dass sie gar nicht ernsthaft prüfen, ob eine Dissertation tatsächlich koscher ist. Und wird es ihnen unter die Nase gehalten, zieren sie sich: Im Prinzip müssten sie alle akademischen Grade wieder einsammeln. Das Internet macht es möglich. Es deckt nicht nur den Diebstahl von Dokumenten aus dem Internet auf, sondern auch die früheren Fälschungen.  Und jetzt überschlägt sich diese Betrugsgesellschaft. Selbst Wissenschaftsminister marschieren zusammen mit Kriegsministern an der Spitze dieser kollektiven Diebstahlsbande. Und sie gehen allemal straffrei aus, weil die Korruption allgemein ist. Wer nicht mitmacht, fliegt raus. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Hinter der aktuellen Zunahme von Kleptomanie und Kleptokratie wird das Wetterleuchten der Endzeit sichtbar. Die weißen Herren, die Tuans und Sahibs dieser Welt, sind mit ihrem Latein am Ende. Als die Endzeit begann schmiedeten sie ein Bündnis mit den Nordafrikanischen Diktatoren, damit die ihnen die Hunger-Elends-Flüchtlinge vom Hals hielten, die das Resultat des Wirtschaftens eben dieser weißen Kapitalistenbande waren. Jetzt setzt eine Revolution in weltgeschichtlicher Sekundenschnelle ganz Nordafrika in Brand. Die Massen sahen keinen anderen Ausweg mehr, als zuzuschlagen. Damit gehen die Reste von Wirtschafterwerb erst mal in Massenumfang drauf und die Folge davon sind die sofort hochschnellenden Preise für Lebensmittel, was das Elend der Armen weiter verschärft und den Flüchtlingsstrom weiter anschwellen lässt. Die Sbirren-Funktion der einheimischen Polizei zum Abfangen der Flüchtlinge versagt vollkommen, weil die Polizei das Fracksausen erfasst hat.

Niemand will diese Flüchtlinge aufnehmen. Als es darum ging, mit dem Anreizen von Flüchtlingen den Kommunismus zu destabilisieren, waren die Flüchtlinge willkommen: „Sie haben mit den Füßen abgestimmt“, sagten die Auguren damals. Jetzt ist ihnen diese Volksabstimmung der Nordafrikaner der letzte Sargnagels ihres Systems, denn in ihrem Boot sitzen schon Millionen eingeborene weiße „Nordafrikaner“. Neben der Wirtschaft haben sie die Währungen ruiniert, ohne die Verantwortlichen zu stoppen und die angeblich „fehlenden Regeln“ (auch eine Helmut-Schmidt-Kreation; ein gewisser SPD-Ökonom Schiller erfand seinerzeit die „konzertierte Aktion“, ohne am Niedergang des Kapitalismus das Geringste zu bewirken) nun endlich zu erlassen. Die Billionenschulden der Reichen werden wiederum den armen Massen aufgebürdet. Nun strömen die farbigen Nordafrikaner in Massen in unser gelobtes Eldorado, das vor dem Kollaps steht. Die Teuerung Nordafrikas geht konform mit ähnlicher Teuerung bei uns, weil auch die Erdölproduktion in Nordafrika zum Erliegen kommt, wodurch der Ölpreis, der infolge der ungebremsten Spekulation wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat, abermals weiter in die Höhe schießt. Zur gleichen Zeit werden die Hartz-Heloten mit 5 Mark abgespeist, mit der Begründung der Kanzlerin, es müsse ein Anreiz zur Arbeit bestehen und deshalb müssten die Hartz-Rechtsansprüche unter das Niveau der gedrückten Billiglöhne gedrückt werden. Von Menschenrechten und Gleichbehandlung ist dabei keine Rede.

Ich frage: Gemahnt das Verhalten sowohl unserer „Elite“ als auch der betörten Volksmassen nicht an totale Schizophrenie?

Ich frage weiter: Wo ist die Garantie, das nicht alsbald afrikanische Flammen auch aus unserem Scheißhaus schlagen?

Da ich Marxist bin könnte ich mich darüber freuen, dass der Kapitalismus wie im Bilderbuch nach dem Szenario des Dr. Karl Marx natur- und geschichtsgesetzlich untergeht. Als Bürger, der unter diesen Totalverrückten leben muss, kann mir das nicht gleichgültig sein. Was mir bleibt, ist die Hoffnung auf den in China herrschenden Marxismus, der es endlich geschafft hat, im Sozialismus ein System der Marktwirtschaft zu etablieren, das bestens floriert. Doch ist die Hoffnung wirklich berechtigt?

Reale Marktwirtschaft bringt reale Klassenspaltungen mit sich. Dass sich die Menschen völlig frei privatwirtschaftlich bereichern, dass sie ihres Glückes Schmied sein können, dass sie Millionäre und Milliardäre werden können bedeutet auf der anderen Seite, dass die Massen unvermeidlich verarmen und unzufrieden werden. Dadurch sind weder die Kapitalisten, noch die Volksmassen zufrieden gestellt. Die Freiheitfeinschmecker in China verbergen hinter ihrem Geschrei nach der Freiheit, jeden geistigen Mist des Kapitalismus verbreiten zu dürfen, dass es nur darum geht, die Staatsmacht von Hammer und Sichel total zu Fall zu bringen und aus der Klassendiktatur des Proletariats die Klassendiktatur der Kapitalismus zu machen: Es soll so werden wie in Europa und Nordamerika und die Idioten, die darauf in China rein fallen, sehen nicht, was für ein Elend und was für eine Brachialgewalt im sterbenden Kapitalismus freigesetzt wird.

In jeder der Niedergangserscheinungen bei uns tritt daher immer auch die Frage der Endzeit-Bedingungen grell in Erscheinung: Gibt es überhaupt ein soziales System, dass den Totalabsturz der Sapiens auf diesem Globus noch verhindern kann? Zeigt das paranoide Verhalten aller nicht, dass der Amoklauf des gegenseitigen Totbeißens einer Überpopulation von Ratten nicht schon unaufhaltsam begonnen hat?

Und, oh, kleines Wunder. Es kommt in diesen Tagen ein Büchlein auf den Markt, wenige Seiten, nicht mehr als das Kommunistische Manifest, und hat dem Manifest analoge Zielsetzungen sozialistischer Art. Ein alter Franzose hat es geschrieben, Stéphane Hessel, Titel: „Empört euch!“ Es wurde in Frankreich den Buchhändlern aus den Händen gerissen und bisher anderthalb Millionen Mal verkauft.

Das sind die Widersprüche in den Dingen. Unter längst erloschener Asche kommt neue Glut ans Licht, geistige Regungen die längst verschüttet schienen. Vielleicht kriegt dieser kranke Baum im Garten Eden doch noch die Kurve. Hoffentlich.

22.02.11

Sybilla Engels

Mittwoch, 16. Februar 2011

*11* Das Sapiens-Finale und die Grünen-Blindheit

Alle die vielfältig-wirksamen Todesursachen für das schnelle Hinscheiden des Sapiens kommen aus einer Grundquelle: Seine Zahl ist für die Tragfähigkeit des Planeten bereits viel zu groß. Sie wächst biologisch elementar unaufhaltsam weiter, während die Planetenoberfläche konstant bleibt. Diesen einfachen, logisch einsichtigen Sachverhalt will anscheinend niemand sehen, obwohl alle mit ihrer Nase jeden Tag darauf gestoßen werden. Man fragt sich deshalb hinsichtlich der machtausübenden Politiker, ob das wirklich nur bodenlose Dummheit ist, was sie treiben, die doch alle mal eine Schule besucht haben. Oder tanzen sie alle als Marionetten an Fäden noch Mächtigerer? Rational denkt man dann an „das Kapital“. Oder ist es noch schlimmer: Sind es satanisch Verrückte, die da ihr Unwesen treiben? Wie auch immer: Ganz dicht können sie nicht sein. Versuchen wir es dennoch, mit etwas Rationalität an diese Fragen heran zu gehen.

Die Titulatur ist unzureichend. Denn die Folgen ihres Tuns sind mörderisch: Sie kosten der ganzen Gattung der Sapiens die biologische Existenz, allen Fakten nach bereits bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Also befassen wir uns mit den Fakten: Konkret mit denen von heute, 15.02.11.

Der Sachverhalt der Raum-Enge kommt im Lokalteil der Zeitung zur Sprache. Da schreibt eine ganz alltägliche Bürgerin, keine Grüne,  völlig unpolitisch, man solle auch Sentas neben Kitas errichten, damit die gegen Kinderlärm uneinsichtigen egoistischen Alten die nötige Toleranz lernten. Sehr gut, oder? Doch davon verwandelt sich der Lärm von Bohrmaschinen nicht in leise, liebliche Töne der Schalmei-Pfeife eines Dudelsacks. Dezibel ist Dezibel, ist physikalisch und damit biologisch das Gleiche. Auch der Terror der Kirchenglocken, deren misstönendes Geschepper im Umfang der 800 Meter zwischen den Wällen der alten Stadtkerne alle Schichtarbeiter schmerzhaft aus dem wohlverdienten Schlaf reißt, gehört dazu. Was machen wir damit? Geitas einrichten, für die uneinsichtigen Geistlichen? Oder medizinische Hilfe; die hätte den Vorteil, dass sie sofort zur Stelle ist. Taub machen gegen den Kita- und Geita-Lärm. Die stets über Überlastung jammernden Ärzte werden niemals müde, neben ihrer aufreibenden Berufsarbeit jeden Tag eine neue, behandlungs- und gebührenpflichtige Krankheit zu erfinden. Du schwitzt nach dem Sport und stinkst aus den Achseln? Das muss nicht sein! Wir haben die neue Krankheit der „Axillären Hyperhydrose“ erfunden und kurieren das. Gegen kleines Aufgeld veröden wir Dir die Schweißdrüsen unter den Achseln. Keine Sorge; Du behältst ja weiterhin noch übergenug davon. Wie Dr. Best jeden Tag eine neue Zahnbürste erfindet, die besser zwischen die Ritzen passt, gleichwohl aber von einer Sanftheit ist, die niemals eine Tomate löchert – was somit jedes Nachdenken über den Blödsinn einlullt: Die werden Dir auch die gegen Kinderlärm und Kirchenglocken notwendige Schwerhörigkeit operativ verpassen: Die „Audionale Hypersensibilität“ der modernen Gesellschaft muss doch kuriert, die Lebensqualität im modernen Alltag gesichert werden!

Gut von mir erfunden? Dann geht doch mal zum Katholischen Krankenhaus von Unna und fragt nach dem unverzichtbaren Honorar zum Kurieren der dort erfundenen Axillären Hyperhydrose. Keine Eintagsfliege. Kürzlich brachten sie eine Verödung zum Kurieren von Herzklappern auf den unerschöpflichen Mediziner-Markt. Ich konnte oder wollte mir den unverzichtbaren lateinischen Namen nicht merken. Lob und Dank den Römern: Ohne Latein wären die vielen Krankheiten schlicht unverkäuflich. Warum fällt mir Mao dabei ein? Soviel Redundanz muss sein. Mao verglich den Zustand in den Manuskripten seiner Genossen mit einer altchinesischen Apotheke. Wie katalogisierten sie? „Erst lateinische Majuskel, dann lateinisache Minuskel, griechische Majuskel, griechische Minuskel: Gott sei Lob und Dank den vielen Ausländern, die uns mit diesen Schriftzeichen versehen haben, dass wir damit die Schubladen unserer alten chinesischen Apotheke füllen können: Liebstöckel, Rhabarber…!“

Hier angekommen, könnte ich eigentlich den Aufsatz beenden. Denn: Eine Gattung, deren sprichwörtliche Hochintelligenz diesen faulen Zauber der modernen, universitären Schulmedizin gedankenlos passieren lässt, ohne ihre Verursacher/Träger unverzüglich in die ewige Sicherungsverwahrung von Irrenanstalten zu stecken, ist einfach nicht lebenstüchtig genug, das Ende dieses Jahrhunderts zu überleben. Doch ich mache weiter und zeige damit, dass auch ich dazu gehöre, nicht ablassen kann vom Tun des idiotischen Sisyphus, immer wieder den gleichen Stein vergeblich den Berg hinauf zu rollen.

Wie kann man sich als Alter Taubheit gegen den Lärm verschaffen? Denn im Alter geht es erst recht um die Ruhe vor dem Lärm, der schon in Kindertagesstätten von lärmenden kleinen Kinder und sodann in den Kirchen und Bambi-Verleihungen von lärmenden etwas größeren Kindern objektiv erzeugt wird. Durch vieles Zureden in Sentas, und Autogenes Training zu Hause, Hypnosen gegen den Lärm verpassen? Auch der Terror, der von dem Schatten und dem Schlagrotieren des Stangenspargels der Windräder ausgeht – diesem modernen angebeteten Goldenen Kalb der Grünen-Einfaltspinsel – gehört dazu. Wie kann das menschlich sein? Wie kann man dem Gesamtleben auf diesem Planeten gerecht werden, damit es nicht als Resultat der Dummheit unserer Hochintelligenz kurzfristig krepiert?

Die Hühner-Legebatterien und das deutsche Wirbeltierschutzgesetz. Nach dem Gesetz darf man Wirbeltieren nicht grundlos Schmerzen zufügen. Was ist ein Grund, es dennoch zu tun? Es gibt Tausende. Nehmen wir drei: Unverzichtbare medi-zynische Forschung. Unverzichtbares tierisches Eiweiß in Fülle, „um die wachsende Weltbevölkerung mit Hühnchen und Eiern satt zu kriegen“. Ökonomische Notwendigkeit, Geld in Mengen zu scheffeln, „womit wir auf dem Weltmarkt noch besser sein müssen, als die anderen Scheffler, denn wenn wir nicht Hühner quälen, tuns die anderen dennoch und wir haben das Nachsehen und sind auf dem gnadenlosen Markt schlechter und gehen kaputt“. Und so wird aus den Verfügungen des Gesetzes das genaue Gegenteil. Was mit allen Gesetzen so geschieht. Das Spargesetz – und die Opferung der Menschenwürde der abgespeisten Hartz-Heloten: Mehr als 5 Mark sind nicht drin. Das Spargesetz – und die generöse Finanzierung der Billionen Miesen der Raubtiere (Helmut Schmidt) und Brandstifter (Peer Steinbrück). Die Gleichbehandlung – und der 30-%-Abschlag für die 50 % Menschen, die vom lieben Gott mit einer Pflaume (zu Deutsch: Vagina) versehen sind, statt mit einem Schwanz (zu Deutsch: Penis). Die Gleichbehandlung von religiösen Überzeugungen und der glänzend verkäufliche Sarra-Zynismus. Die Gleichbehandlung von politischen Ansichten – und der Polizeiterror in Paris, Stuttgart und Heiligendamm. Und als Folge davon sehen die Hühner jetzt schon so zerrupft aus, wie wir am Ende dieses Jahrhunderts selbst aussehen, liegen ihre zerbissenen Kadaver in den Batterien, werden aufgepickt und gelangen in die leckeren, unverzichtbaren Eier.

Hätten wir den selbstfabrizierten ökonomischen „Sachzwang“ nicht, gäbe es nicht dessen Folgen. Wir würden uns den Sarra- und den Medi-Zynismus nicht rein tun müssen. Mit den Dr.-Best-Lügen aller Arten hätten wir keine Last. Es ist die wirkliche geistige Unterentwicklung, die uns zu Untermenschen gemacht hat. Eine Folge aber dieses Generalmankos ist: Wir haben gedankenlos die Erde so zugevögelt, so dass unser quicklebendiges Leben bereits zum Vegetieren geworden ist, zur Immobilität durch Raumnot, durch Pferchen. Und nun zeigt jeder reihum auf jeden, auf das eine oder das andere Symptom dieses Generalmalus und keift nach Änderung durch andere, die das letztlich aber beim besten Willen nicht schaffen können.

Was diese Bürgerin mit den Sentas im Grunde „richtig“ fordert - denn man muss den Kindern doch den Gehörschutzvorrang ebenso zubilligen, wie der sehr christliche Missfelder (warum sind Nomen so oft Omen?) den Egoismus-Schutzvorrang der größeren Kinder vor ihren unglücklichen langlebigen Eltern predigt („Gottseidank werden sie älter, doch was dafür raus tun ist nicht unser Ding; für Cash müssen sie selbst sorgen!“), die wegen des gesunden Egoismus der Jungen ans Darben für die Portemonnaies der Kapitalisten gezwungen werden sollen – ist natürlich objektiver Blödsinn, einer der vielen Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Warum übrigens, auch eine Meldung von heute, will die vom Parteisekretär für Agitation und Propaganda der FDJ zum West-Christentum konvertierte Angela, partout keine hungernden Tunesier in Deutschland rein lassen, obwohl doch ihr Herr Jesus predigte, „lasset die Kindlein zu mir kommen“. Der in der Bergpredigt sogar Anleihen beim Dr. Karl Marx aufnahm? Warum ist Geld in Hülle und Fülle für den Rettungsschirm misswirtschaftender italienischer Finanzkapitalisten da, aber kein Groschen für die Sozialkassen der durch diese Misswirtschaft Deklassierten?

Das ganze Christkindkentum bringt der Grünen-Wirtschaftsminister von NRW, Remmel, auf einen sichtbar-fassbaren Grund, der nun besprochen werden soll. Größer kann Ignoranz eigentlich nicht sein. Doch ich muss ihn auch in Schutz nehmen. Denn: Mit solchen Eigenschaften sind wir selbst allesamt versehen. Gelegentliche kleine Ausnahmen bestätigen, wie immer, nur die Regel.

Das Kernproblem: Wir sind nicht fähig, diese unsere große Welt des Universums, seine Existenzgründe, als eine Einheit von sich ausschließenden, aber sich gleichzeitig unlöslich bedingenden Widersprüchen, Gegensätzen, objektiven Polaritäten zu erfassen, zu begreifen – und die Konsequenz daraus bis zu Ende zu denken, entsprechend des berühmten Imperativs der Römer: QUIQUID AGIS, PRUDENTER AGAS ET RESPICE FINEM! Wie immer du agierst, agiere vorsichtig und bedenke das Ende! Denn unser Leben, unsere Geschichte, beruhen auf den gleichen unvereinbaren  logischen objektiven Widersprüchen, die die ganze Existenz und Geschichte der Materie und ihren Geist durchwirken, durchfluten.

Was treibt Remmel um? „Jede zweite Tierart bedroht – Land will Flächenverbrauch drastisch reduzieren“ (Schlagzeilen der Westfälischen Rundschau von heute). „Die Baupläne des Lebens gehen verloren. Erst sterben die Bienen, dann sterben die Menschen“ (Remmel). Er hat recht. Nur: Die Bienen sind schon gestorben. Oder seht ihr noch welche? Paar Wespen sind noch da. Bienen aber Fehlanzeige. Ihre Restvölker werden jetzt, analog den Hühner-Batterien, von geschäftstüchtigen Cleverlies, kreuz und quer durch die Lande transportiert, um mal hier und mal da zum Arbeitseinsatz zu kommen. Und es ist noch viel schlimmer, als Remmel das in dem kurzen Stichwort andeuten konnte.

Wir brauchen jede Art an Pflanzen und Tieren, einschließlich aller Mikroben, Bakterien, Viren, um gesund zu bleiben. Jeder der geistig behämmerten Schulmediziner wird nach diesem Satz Schaum vor dem Mund bekommen, weil ihm das seine Lebenslüge und damit sein Brot wegnimmt, das hilflose Doktern an nicht tot zu kriegenden, immer mehr ausufernden Zivilisationskrankheiten, je weiter die Zivilisation und das Doktern voran schreiten. Nebenbemerkung: Als die Schweinegrippe ge-erfunden worden war und der Impfstoff-Erst-Test an Menschen durchgeführt werden musste, wählten die Chemie-Faktores-Doktores mit Bedacht das weit vom Schuss liegende Japan als Versuchs-Karnickelstall aus. Dort sprangen die Geimpften massenweise aus den Fenstern. Natürlich käme das nicht aus ihrer heilsamen Medizin, sagten die Doktores, die Krankheit sei schuld und führe zu Halluzinationen, in deren Verlauf sie eben aus den Fenstern sprängen. Und wenn ein Doktor, mit seiner Autorität, so etwas sagt, glaubt ihm die ganze menschliche Gesellschaft unbesehen. Ein Verwandter von mir arbeitete nur als Prokurist in einer jener Produktionsfirmen, hatte also, weil im Büro doch separiert von den Dämpfen der Produktion, niemals seinen Rüssel in den Dampfen – und krepierte, noch nicht sehr alt, elend an ALS. Alles stets unbewiesene/unbeweisbare Zufälligkeit!?!

Warum benötigen wir ausgerechnet auch noch die Viren? Von Ditfurth hat darüber geschrieben. „Virale Transduktion“ - ohne das Wandern der Viren durch alle Pflanzen und Tiere gäbe es uns Menschen überhaupt noch nicht. Die Viren reißen Gen-Sektionen aus jedem Lebewesen und transportieren sie bienenfleißig überall hin, wo sie auf Brauchbarkeit geprüft, zur Evolutionsbeschleunigung verwendet, oder eliminiert werden. Die Mitochondrien in unseren Zellen, die einst als „Parasiten“ zu uns kamen, wurden auf diese Weise in unsere Zellen eingebaut. Sie waren für unsere Evolution unverzichtbar. Der Mensch stirbt nicht wegen der ihn heimsuchender Viren, sondern an seiner zivilisatorisch-erworbenen Morbidität. Sie kommt aus der Zivilisationskost, an die er nicht adaptiert war, als er durch die Anfänge seiner Tüchtigkeit in Afrika vom Baum stieg, um Tiere in Massen zu jagen und das ihm höchst unbekömmliche Getreide zu kultivieren. Das muss an dieser Stelle genügen. Wenn das aber so ist, dann machen die Viren und anderen Mikroben nur ihren Job, wenn sie morbides, krankhaftes Leben schnellstens wieder in Humus für was Neues verwandeln. Und? Warum werden wir in dem Maße morbider, indem der industrielle Nahrungsmittelkomplex und die sie begleitende Medizin unaufhaltsam fortschreiten? Warum haben jetzt Kinder schon die Altersdiabetes? Warum müssen 82 Millionen Deutsche 1,5 Milliarden mal im Jahr zum Arzt? Etwas Nachdenken über Kausalitätskriterien möglich?

Remmel hat total recht, diese Frage aufzuwerfen. Und nun haben wir schon Hunderttausende an Arten vernichtet und jeden Tag sterben weitere aus. Auch woran es liegt, hat Remmel richtig umrissen. Wir zerstören die Natur, verbrauchen u.a. in diesem Zusammenhang zu viel an Fläche für die Flora darauf und die Fauna darin. Ganz zu schweigen von der industriellen Verwüstung, die wir in der Flora selbst anrichten. Mir – und allen anderen, die lesen können - ist seit über 20 Jahren bekannt, dass jeden Tag, den Gott werden lässt, auf diesem Globus eine Fläche von der Größe Luxemburgs unter den Betonmischern verschwindet, für Straßen und Städtebau. Remmel beziffert für NRW die diesbezügliche Fläche „für Wohn- und Straßenbebauung oder intensive Landwirtschaft“ mit 15 Hektar pro Tag. In knapp 7 Tagen verschwindet in NRW somit 1 Quadratkilometer an Fläche unwiederbringlich und bringt das Massensterben von Fauna und Flora auf Trab. Das will er einschränken auf ein Drittel, womit es nicht aus der Welt ist. Es schreitet nur langsamer voran, ohne das schnelle Ende aufzuheben. Gleichzeitig bedeutet diese Reduktion an bebauter Fläche aber, was den Wohnbedarf betrifft, ein Bauen in die Höhe. Damit die Tiere nicht mehr gepfercht werden – Löwenrudel benötigen z.B. pro Rudel 5 Quadratkilometer, sonst beißen sie sich gegenseitig tot – favorisiert Remmel das Menschenpferchen. Was benötigen die Menschenrudel?

Der Traum jedes Menschen ist das Eigenheim. Es hat im Mittel die Hausgröße 10x10 Meter auf einer Gartenfläche von 20x20 Metern. Die Menschen an den Grenzen dieser ihrer Wunschtraum-Wohnwaben geraten sich in die Haare wegen eines Maschendrahtzauns oder einiger Bäume. Die Stadtkarten dieser Wunschtraumsiedlungen gleichen denaturierten Bienenwaben. Nach der Grünenideologie sollen die Menschen zukünftig aber selbst diesen Garten vergessen und in die Hühnerstall-Legebatterien von Hochhäusern gepfercht werden – um die Natur zu erhalten, weil sie sonst stürben. Ist das nicht schon Hellwahnsinn im Quadrat?

Doch es kommt noch besser. Die Russen der Nach-Stalin-Zeit begannen nun total zu spinnen. Hatte der Kommunismus vorher noch eine Rückbesinnung auf menschliche Stadtkultur/Architektur organisch im Gefolge gehabt, mit Rückbesinnung auch auf das Erbe der alten Baumeister, so gerieten sie jetzt in eine Modernen-Verzückung. Modernere Städte müssten her, auch mit einem bestimmten Automobilismus, „damit die Menschen individuell/problemlos zur Arbeit fahren könnten“. Das sah folgendermaßen aus. Eine Stadt von 100.000 Einwohnern kommt in einen Wohnturm von Kilometerhöhe. Sechs solcher Städte sollten ringförmig, auf die Kontur einer Kreisgeometrie von 1 Kilometer Durchmesser verteilt draufgesetzt werden. Drum herum natürlich Parkplätze für die unverzichtbaren Hunderttausende Autos. Wie die in den Verkehrs-Stoßzeiten sich aus den Parkplätzen rauswinden sollten, darüber dachten sie nicht lange nach. In den Kellern dieser Wohntürme sollten sich die Bahnhöfe einer Ringbahn befinden, mit denen die Wohntürme untereinander verbunden wären.

Man lache nicht zu früh. Wir waren im Westen zur Zeit dieser kommunistischen Spinnerei noch weiter in der Gehirnerweichung. Hier wurde konzipiert, dass die Menschen bei Verlassen ihrer Behausungen nicht mehr auf eine Straße träten, sondern auf ein Transportband, das sie weiter bringe und mit moderater Geschwindigkeit rolle. Und da sollten, weiter nach außen, weitere Transportbänder rollen, mit jeweils höherer Rollgeschwindigkeit. So dass man, bei Bedarf, immer weiter, moderat von einem zum nächsten Band überwechseln könne und „janz weit draußen“ gewissermaßen pfeilgeschwind an seinen gewünschten Bestimmungsort gelange, ohne sich bewegen zu müssen. Das viele Brathähnchen-Essen hat offensichtlich auch die Gehirne auf die von Hühnern reduziert, wenn man nicht annehmen müsste, dass sie niemals größer als die von Spatzen gewesen waren.

Vor gut 20 Jahren wurde hier regional unter den Experten darüber debattiert, ob denn die vielen neuen geplanten Bauvorhaben von Autobahnen notwendig wären. Einer dieser Experten argumentierte so: Vom Verkehrsaufkommen her seien die Autobahnen nicht notwendig; aus Rauordnungsgründen seien sie indessen unverzichtbar. Da wir zu jenem Zeitpunkt bereits alle 5 Kilometer eine Autobahn in Nord-Süd-Richtung und in Ost-West-Richtung hatten, konnte das nur bedeuten: Der Mann wollte das Land schachbrettartig mittels Autobahnen ordnen, die Waben von 2,5*2,5 Kilometer maßen. So unrecht hatte der Mann nicht. Dann wäre nämlich alles Land der Bundesrepublik zu „Filetstücken in Autobahnnähe“ geraten. Überall hätte es diese Filetstück-Anschlüsse an Autobahnen gegeben, mit dem  Erfolg, das alles natürliche Krötenwandern auf Null und das Wandern der Kröten der Malocher in die Taschen der Reichen auf Höchstgeschwindigkeit gebracht worden wäre. In der Theorie. In der Praxis hätte alle zusammen alle Viere von sich gestreckt.

Der kommunistische Babel-Turm-Bau müsste nun Remmel und allen Grünen das Wasser im Munde zusammen laufen lassen, weil es sie in die Nähe ihres Wunschtraums der Naturerhaltung, in die Nähe des Gottes Wishnu bringt, wo sie verzückt ihr „Om!Om!“ ausstoßen können. Doch welchen Raum braucht der einzelne Mensch auf diesem Planeten? Um die Ökologie des Planeten nicht zu zerstören und um selbst nicht unter Platzängsten einzugehen.

Der nicht unbekannte Heinz Haber (hier: „Eiskeller oder Treibhaus“) betrachtete die Sache so: Der Mensch muss in der ihn schützenden und ernährenden Pflanzenwelt wie eine industrielle Verschmutzung gemessen werden, in ppm, part per million, 1 kg Menschenmasse pro 1 Million kg Pflanzenmasse. Haber sah bei 500 Millionen Menschen = 1 ppm die Tragfähigkeit des Planeten mit Menschenbesatz maximal erreicht. Das war um 1600 der Fall. Warum gerade hier 1 ppm die Grenze sein soll, erscheint knapp bemessen, da wir bei der Luftverschmutzung 300 ppm für unschädlich-tolerierbar betrachten. Doch man soll bei den Vergiftungen niemals des Schlechten zu viel tun und wir wissen ja, wie die Grenzwerte zustande kommen. Wenn die Luftverschmutzung auf 1000 ppm klettert, wird sie garantiert von den Doktores für unschädlich erklärt, weil Mächtigere ihnen das abnötigen und sie nicht ihr Brot verlieren wollen.
In unserer Stadt hat nur 1 Arzt – und der war schon pensioniert – einen kurzen Kampf gegen die Einführung der Grünen Tonnen geführt, weil die nämlich, wenn sie geleert werden, die ganze Stadt in einen Mikroben-Giftnebel verwandeln, der nach dem Bundes-Seuchengesetz nicht zulässig ist.

Als ich in den Kinderschuhen steckte, 1938, mit 10 Jahren, war die Erde mit 2 Milliarden Menschen gesegnet, also nach Haber mit 4 ppm, also schon mit 400 % Übermaß, hoffnungslos geschlagen. Der Vater erzählte mir, sie passten, dicht an dicht zusammen gestellt, auf die Fläche des Bodensees. Also keine Gefahr. China maß 400 Millionen Bürger.

Mein Vater hat das sicherlich nicht selbst gerechnet. Und ich habe die Rechnung erst in diesem Moment ausgeführt. Der Bodensee misst 536 km2; jeder der Erdenbürger von 1938 hatte ein gutes Viertel eines Quadratmeters Stellfläche zur Verfügung, oder ein Quadrat von 52 cm Kantenlänge, wenn er in die Bodenseefläche passen sollte. Es geht also gerade noch, wenn die Personen nicht übermäßig dick sind. Das wäre also die absolute Pökelfassdichte. Und wir dachten also: Das ist doch wenig, nur Bodensee-Flächen-Beanspruchung?

Um 1964 wurde ich das erste Mal aufgeschreckt durch ein Material des SPD-Genossen und Ex-Innenministers Biernat, Unna, der für den Kreisparteitag der SPD ein Material „Zur Welt von morgen“ zusammengestellt hatte, mit alarmierenden Zahlen. Wir würden u.a. in Kürze ein zusätzliches Heer an Lehrern benötigen, knapp 300.000, mehr als die damalige Sollstärke der Bundeswehr. Was macht man in einem solchen Fall, wenn man Marxist ist? Man schlägt die Malthus-Kritik von Marx auf. Wie hatte er die Bevölkerungsexplosion beurteilt? „Jede Gesellschaftsformation schafft sich ihr eigenes Bevölkerungsgesetz“ war das General-Fazit. Dazu einige Einzelheiten. Die katastrophale Hungersnot in Irland. Der Export von Menschen von dort in die USA, vergleichbar fast mit der aktuellen Flucht der Nordafrikaner über das Mittelmeer. Dem Menschexport folgt der Export des Kapitals. Ich konnte das „Kapital“ beruhigt wieder zuklappen und 30 Jahre weiter schlafen: Der Kapitalismus würde das Problem nicht mehr lösen können; der Sozialismus würde es lösen.

1995 wurde ich gründlicher aufgeschreckt, durch den CDU-Mann Gruhl („Himmelfahrt ins Nichts“). Haber, von Ditfurth, Koestler, auch Rock, Steinbuch hatten Vorarbeit geleistet – und im Negativen auch Lothar Späth, “Wende in die Zukunft“, 1985). Was hat dieser „erfolgreiche“ Ministerpräsident da an komprimiertem Blödsinn zusammengestammelt. „Und auch das darf man nicht vergessen: Ehe in den vielen Entwicklungsländern an Ertragssteigerungen bei den Grundnahrungsmitteln gedacht werden kann, muss die Umwelt erst wieder, Baum für Baum, zum Leben erweckt werden“ – und da fingen wir mit dem Abholzen erst richtig an und ich ließ in meinem neuen Haus eine Treppe aus Kampala-Holz fertigen. Aber auch das sagte er wenigstens: „Jeder weiß es: Der Hunger in den am wenigsten entwickelten Staaten ist immens, das entsetzliche lautlose Sterben von Millionen sprengt die Vorstellungskraft und überfordert die Mitleidensfähigkeit selbst der Engagiertesten“. Das war nun das Ergebnis des Höchstkapitalismus in seinem kolonialen Hinterhof. In dieser Zeit der 80 Jahre Kommunismus, in der man Stalin 30 Millionen, Mao 70 Millionen Verhungerte „als Folge der Wirtschaftsexperimente des Kommunismus“ ankreidete, starben am kapitalistischen Wirtschaftsexperiment schlappe 3 Milliarden Menschen, 100.000 pro Tag, am Hunger oder verseuchtem Wasser. Heute ist diese Quote auf 30.000 pro Tag abgesunken. Doch das wird nicht den Bush, Clinton, Sarkozy, Merkel angekreidet: Daran sind die Verhungerten im Kapitalismus stets selbst schuld; sie hätten privatinitiativ besser vorsorgen müssen.

Einer der ganz besonders Negativ-Blödiane in dieser Frage ist mir namentlich im Moment nicht in Erinnerung und ich fand bei einer raschen Durchsuchung meiner Bibliothek auch nicht sein Buch „Vernetztes Denken“. Als man ihm vorhielt, dass bei seinem Rezept das Benzin bald 10 Mark pro Liter kosten würde und die meisten dann nicht mehr autofahren könnten, verlor er jede Contenance und sein vernetztes Denken und er keifte wie ein Rohrspatz: „Ich kann auch nicht jeden Tag Kaviar essen“.

Gruhl also schreckte mich auf, weil zusätzlich die graphischen Darstellungen der Bevölkerungskurven in den Medien wie ein Senkrechtstarter in die Höhe schossen, so dass die Frage des zeitlichen Endes dieses Phänomens nicht mehr absehbar war. Folglich machte ich mich zunächst, immer noch von Marx munitioniert, wohlgemut auf, Gruhl zu lesen, um heraus zu finden, welchen Denkfehler er begangen habe, wie man das marxistisch gerade rücken könnte. Ich kam nicht weit. Unter der Last seiner Fakten brach mein ganzes Denkraster in dieser Frage völlig zusammen: Auch der Kommunismus würde dieses Faktum bei einem Weltsieg nicht mehr in den Griff bekommen. Das war so schlimm, dass ich plötzlich mitten im Lesen innehielt: „Wenn Du jetzt weiter liest, bist Du in 3 Sekunden tot!“ Ich lief verstört in den Garten, um dort herum zu murksen.

Ich hatte ab etwa 1992 unter den Folgen der Kassandrarufe Habers usw. selbst eine Endzeitrechnung angestellt, hielt das aus ihr folgende Damoklesschwert aber immer noch durch einen relativ schnellen kommunistischen Weltsieg für beherrschbar, vom Seidenfaden abnehmbar. Folgende Daten ergaben sich nach Haber: Die Bevölkerungszahl würde um 2010 8 Milliarden erreichen, bei einer Verdopplungszeit von 35 Jahren. In der auf meine Kindheit folgende Lebenszeit von 70 Jahren würde sich die Erdbevölkerung also zweimal verdoppelt haben, China würde 1,6 Milliarden zählen; nur der Kommunismus würde dieses Weltproblem noch lösen können.

Wie war das absolute zeitliche Ende zu beziffern, wenn nichts geschehen würde, diesen heute mit „Von-der-Leyen-Trächtigkeits-Philosophie-Gesang“ des Rentenerwirtschafter-Wachstumszwangs zu stoppen?

Lieber Leser! Ich will ein kleines Mathematik-Training mit dir veranstalten. Von Ditfurth, der es auslöste, sagte, selbst er sei darauf herein gefallen. Kannst du, lieber Leser, bis 50 zählen? Natürlich kannst du das. Die an Ditfurth gestellte Frage war: Wenn in einem Teich eine Seerosenpopulation sich jeden Tag verdoppelt und wenn sie nach 49 Tagen den halben Teich bedeckt, wie lange dauert es, bis der Teich vollständig zugewachsen ist? Der Mathematik-Versierte wird ohne sich zu besinnen antworten: Am Ende des folgenden, fünfzigsten Tages. Da gibt’s nichts lange zu rechnen; das ist evident und dass eben ist der Spontan-Reinfall, dem auch Ditfurth unterlag. Denn: Zwar stimmt die Zeitangabe mathematisch genau, aber sachlich liegt die Antwort total daneben. Weil eine Seerosenpopulation, die sich 49 mal verdoppelt hat, in keinen Teich der Erde mehr passt. Das ist die Tücke der Sachlage, im Fall der Potenzrechnung bis 50 zu zählen.

Um die Frage zu verschärfen und zu präzisieren wollen wir sie so formulieren, wie ich sie meiner besseren Hälfte gestellt habe, die auch mal eine Schule besucht hat: „Was würdest du meinen, was passiert, wenn du eine Zeitung 50 mal faltest? Es ergibt sich dann ein Stapel. Wie hoch würde er deiner Meinung nach ungefähr abzuschätzen sein?“. Antwort: Ungefähr anderthalb Meter.

Ein Zeitungsblatt hat eine Stärke von 5/100 Millimeter, oder 0,00005 Meter. Die elementare Rechnung für die 50 mal gefaltete Zeitung, also die bei jeder Faltung verdoppelte Zeitungs-Stapel-Stärke, ergibt eine Stapelhöhe von
0,00005 m * 2E50 = 56,3 Millionen km = ca. 1/3 des Abstands der Erde von der Sonne, ein Drittel der Astronomischen Einheit von 149,5 Millionen Kilometer.

Mich interessierte nun wann die Pökelfassdichte für das Pferchen der Menschen auf der verfügbaren Erdoberfläche erreicht ist, wobei ich allerdings jedem Menschen 1 Quadratmeter zubilligte, das Vierfache der Bodenseenorm. Dabei will ich im Folgenden bleiben. Wer bei der Bodenseenorm bleiben will, muss die von mir ermittelte Endzeit um nur 70 Jahre vergrößern, um auf seine Endzeit zu kommen.

Die Erdoberfläche, ohne Antarktika, misst 135 Billionen Quadratmeter. Wann erreicht der Menschenbesatz der Erde 135 Billionen Stück bei einer Verdopplungszeit von 35 Jahren?

Nach weiteren 14 Verdopplungen zu je 35 Jahren, oder nach 14*35 Jahren, also nach 490 Jahren, zu rechnen ab dem Stand von 2010, also im Jahre des Herrn 2010 + 410 = 2500 wird die „Stückzahl“ von Menschen auf der Erde nach der elementaren Rechnung erreicht von:
8 Milliarden * 2E14 = 131 Billionen,
was eine ppm-Verschmutzung nach Haber von 262000 ppm ergibt.
und was bedeutet: Jeder dieser glücklichen Peoples hat dann, statt der 1 Million kg Pflanzenmasse für sein eigenes 1 kg Körpermasse nach der Haber-Zulässigkeitsnorm, nur noch 3,8 kg Planzenmasse für sein eigens 1 kg Körpermasse zur Verfügung.
Es ist klar, dass es niemals zu diesem Pferchen kommen wird, dass der Tod aller Fauna und des Menschen
viel früher eintreten muss, dass schon im Vorfeld dieses Zukunftshorrors auch von den Pflanzen jeder Grshalm längst plattgetreten ist. Zumal wir von den Pflanzen wenigstens den Weizen und von den Tieren mindestens die Kühe behalten müssten, die aber, wie wir, aus Mangel an anderen Lebewesen, gesundheitlich längst krepiert wären. Egal wie viel Chemiegift Hoffmann-LaRoche und die anderen Chemiegrößen Menschen, Kühen und Weizen hinter den Arsch schütten. Egal, was die Mediziner alles noch an behandlungsbedürftigen Krankheiten erfinden. Wir werden uns, wohl oder übel, in diesem Jahrhundert von dem Paradies Erde verabschieden müssen.

Es macht den Kohl doch nicht fetter, dass wir in 2010 nicht 8, sondern nur 7 Milliarden erreicht haben. Wobei von der eingesparten 1 Milliarde 300 Millionen allein von den frühzeitig weiter blickenden Chinesen erbracht wurden, während wir uns auf Von-der-Leyen-Weise, unter dem „Schutz menschenrechtlicher Intimsphäre“, unverdrossen weiter stumpfsinnig zu Tode vögeln. Unsere Totenstrecke wird, wie immer, die Strecke der vielgelästerten Kommunisten um Superhaupteslängen überragen. Die Einsparungen auf den Stand von 7 Milliarden schieben die Pökelfassdichte um 200 Jahre nach vorn, wenn die Einsparung auf gleichem Level bleibt.

Das kann es doch nun wirklich nicht sein. Das Ende unserer Gattung ist so im Schöpferplan nicht mit nur weiteren 500 oder 700 Jahren vorgesehen: Das beruht allein auf unserer eigenen Idiotie.

Nebenbemerkung: Die Wende Chinas in dieser Frage erfolgte schon unter Mao. Hatte er vorher noch mit dem Bevölkerungswachstum kokettiert: „Jedes Jahr eine neue Tschechoslowakei“ (an Menschenzahl) – was die Aussichten des Überstehens des mörderischen Endkampfes zwischen Kapitalismus und Kommunismus vergrößern würde -, so muss diesen Philosophen irgendwann das Fracksausen erfasst haben: „Überschreiten wir die Zwei-Milliarden-Grenze (an Chinesen) wird in unserem Lande jede Ordnung zusammenbrechen“. Er hatte auch für die Menschenrechte-Anmahner die passende Antwort: „Wie viel hundert Millionen wollt ihr mitnehmen zur Menschenrechtsversorgung bei euch? Ich packe sie euch sofort ein“. Das verschlug ihnen die Sprache. Merkel will nicht mal 2000 gut ausgebildete, junge Tunesier annehmen. Sie müsste doch froh sein, wenn von Nordafrika Millionen uns angelblich fehlender junger Rentenerwirtschafter ins Land kämen. Merkt ihr endlich wie und warum sie lügen? Sie wollen die Rentenerwirtschafter gar nicht, weil wir selbst real über 8 Millionen daumendrehende Arbeitslose verfügen, die Renten in Massen erwirtschaften könnten, wenn denn das kapitalistische System sie nur voll beschäftigen können würde. Da allein liegt der Haken. Warum sie weiter lügen, die zuströmenden Fremden würden nur in unsere Sozialkassen einwandern. Das stimmt ja auch, doch ist das allein dem Versagen des Kapitalismus-Systems geschuldet, nicht der Zuwanderung. Und nun bei dieser Sachlage zu verlangen, die überhaupt nicht mehr zu Beschäftigenden sollten doch, bitte sehr, zwei Jahre länger arbeiten: Das entpuppt sich wieder als die letzte Absahnungslüge des Kapitals. Damit wird nicht die Arbeit vermehrt, sondern dadurch werden nur Renten gekürzt.

Das alles ergibt den Zunder, aus dem ersichtlich auch bei uns alsbald die Flamme der Nordafrikanischen Revolution schlagen wird.

Weiter: An dieser Stelle tritt das Supergehirn unserer Zeit in den Ring, der Inhaber des lukasischen Lehrstuhls für Mathematik, der erst kürzlich pensionierte Stephen Hawking. Zu seinen ehrwürdigen Vorgängern auf diesem Stuhl gehörten Newton und Dirac. Und hier gerät Hawking zum Lothar Späth der Physik, zu einem, dem als Chefmathematiker der Welt „über dem Denken auch noch das Rechnen abhanden gekommen ist“ (wie Engels dem großen Kelvin einst vorrechnete).

Hawking offeriert Auswandern zu fremden Welten, wenn es bei uns eng wird. Dass er sich damit unvermeidlich den Lampedusa-Horror der Angela Merkel einhandeln wird, entgeht ihm ohnehin: Bewohnbare Planeten sind unvermeidlich besiedelt, wenn nicht gerade irgendwelche Sapiens eine Zwangs-Besiedlungspause herbeigeführt haben; das sollte ein beschlagener Wissenschaftler wissen. „Das Boot ist voll!“ werden sie unseren ankommenden Auswanderern zurufen.

Um was für Größenordnungen handelt es sich? Rechnen wir mal gerundet. Wenn die Pökelfassdichte 140 Billionen beträgt und diese Zahl in 2500 erreicht ist, kommt erst im Jahr 2465 der Anflug vom Auswanderer-Denken. Denn bis dahin ist die Erde erst halb voll. Ein Einzelner hätte noch die halbe Erde als Freiraum-Auslauf, vorausgesetzt er hätte alle anderen dauerhaft auf Pökelfassdichte gepfercht. Nun spätestens müsste man alle 35 Jahre 70 Billionen Menschen von der Erde abtransportieren und bis 2535 210 Billionen exportiert haben, wozu drei weitere Planeten von Erdformat und Erdgüte notwendig wären, um nur auf allen vier Planeten den Halbpökelzustand von 2465 zu halten. Hawkings Nachfolger werden aber keinen einzigen brauchbaren Planeten finden und weder die Transportmittel noch den Treibstoff für diesen Exodus der besonderen Art fabrizieren können.

Das alles ist Remmel entgangen?! Er kann machen was er will: Alle Bemühungen zum Verlangsamen des Bodenverbrauchs sind zum Scheitern verurteilt. Man muss begreifen, dass jedes Wachstum an Menschenzahl die benötigte Unterbringungsfläche wachsen lässt, was mit der niemals mitwachsenden Planetenoberfläche unvermeidlich in Endzeit-Kollision gerät. Es kann also nur darum gehen::
(1) Den Wachstumsfimmel aufzugeben und die Menschenzahl konstant zu begrenzen.
(2) Festzulegen, welchen Freiraum denn ein Mensch benötigt, wenn das Löwenrudel immerhin 5 Quadratkilometer benötigt, um normal leben zu können.

Der Mensch hat seine Sozialisation über Jahrmillionen in Kleinhorden von 20 Personen erfahren. Die hatten sehr wahrscheinlich einen Freiraum von 400 Quadratkilometern oder 20 Kilometer im Quadrat zur Verfügung, wodurch auf jeden People 20 Quadratkilometer entfielen oder ein Quadrat von 4,5 km Kantenlänge. Ich wage diesen Schluss aus der Beliebtheit des Marathonlaufs(!); die Strecke von rund 40 Kilometern pro Tag kann das Quantum des alltäglichen Jagdlaufs gewesen sein: 20 km vom Zentrum fort und 20 km zurück. Das beliebte Jogging ist ein Rudiment davon, wobei das Laufen auf Asphalt (neben den Abgasen) nicht eben den Knochen (nebst der Lunge) förderlich ist. Die Größe mag sich anders ergeben; mir sind keine Maße von Schimpansenhorden-Revieren bekannt, wohl aber, dass diese, über Jahre hinweg, hartnäckig so intensive Vernichtungskriege gegeneinander um ihre Reviere führen, wie wir unser Revier in zwei Weltkriegen durch hartnäckige Vernichtungskriege zu verteidigen/zu vergrößern suchten.

Unter diesen Voraussetzungen beträgt der tolerierbare Maximalbesatz der Erde knapp 7 Millionen Seelen. Hält der Mensch das ein, hat er auch wieder die nachhaltige Versorgung aus der Natur, saubere Medien, keinen Windrad-Stangenspargel und keine Kanalisationsprobleme.

Dieser Ur-Freiraum von 4,5 km Kantenlänge pro Person ist bei 7 Milliarden Menschen aktuell auf 139 Meter Kantenlänge zum Quadrat reduziert. Dass dies nicht mehr den Freiraum für artgerechte Bodenhaltung von Menschenhühnern nach dem deutschen Wirbeltierschutzgesetz erfüllt, merkt man an den Lärmallergie der Alten gegen Kinderlärm, an den kollektiven Amokläufen der Revier- und Raubkriege, die alle 7000 Jahre überlieferter Geschichte Tag für Tag durchzogen (man schaue mal in die „Synchronoptische Weltgeschichte“ des Dr. Arno Peters) und an den individuellen hartnäckigen Streitigkeiten um Maschendrahtzäune – und die Einzel-Amokläufe zwecks reinem Abknallen fremder Menschen, wozu man auch getrost die Selbstmord-Attentate aus religiöser Verzückung rechnen kann:
Wir sind längst unter die zulässige Pferchgrenze geraten. Weitere Merkmale sind die Erstickung des Mobilismus. Man soll Auto fahren, um von A nach B zu kommen. In B angekommen kann man nicht parken; man soll durch Kosten vertrieben, weggescheucht werden. Und in A, vorm Haus daheim, kann man auch nicht parken, weil man in gleicher Weise vertrieben wird. Wie viele Straßen man auch baut und wie oft man ihre Bahnen verbreitert: Der Verkehr ist immer im Teilinfarkt. Und bei den Eisenbahnen, die Entlastung bringen sollen, ist Fahrplanpünktlichkeit die Ausnahme, nicht mehr die Regel. Bei Vervierfachung der Menschenzahl bis zum Ende dieses Jahrhunderts sind alle diese Infarkte ganzheitlich-perfekt und die Amokläufe alltäglich. Vom sichtbaren Zu-Ende-Gehen der Rohstoffe brauchen wir erst gar nicht lange reden.

Was Remmel, was alle Grünen machen, ist wieder nur: Kopf in den Sand, wie ein Strauß – und „Warten (Hoffen) auf Godot“ des Beckett, der bekanntlich niemals kommt. Weshalb sich die Menschherde in „Die Nashörner“ des Ionesco verwandeln, während die Tragödie der „Antigone“ des Sophokles in Daueraufführung auf dem Spielplan dieses Welttheaters steht. Die Literaten haben, noch schärfer als Marx, den Endzustand unserer Tragödie längst im Visier gehabt. Und Seneca befand bereits: Sie sind objektiv alle zusammen totalverrückt.

Deshalb ist mehr als ein Requiem für das Ende unserer Gattung zum Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr drin, wenn man ganz realistisch ist. Räumt man sich ein bisschen Hoffnung ein, so ist es nur die Rationalität des Dr. Karl Marx, alias der Kommunismus, die das Damoklesschwert entfernen können. Wenn nicht alles an Geizgier-Kurzsichtigkeit aller dieser Verrückten scheitern wird, die in Kairo auf dem Tahrir vergeblich nach Freiheit und Brot rufen, während die besonderen Freiheits-Feinschmecker in Peking auf dem Tien-an-men nur nach einer Freiheit gieren: Dass es einer Elite gelingen möge, auch in China diese Freiheitsrechte so  umzukrempeln, wie sie allein den Militärdiktatoren in Kairo, respektive ihrer kapitalistischen Oberherren-Reichenklasse konvenieren. Was sie unter einer Staatsmacht von Hammer und Sichel, Marx sei Dank, hoffentlich niemals erhalten werden.

15.02.11
Sybilla Engels

Anmerkung:
Die im vorstehenden Text vorkommenden Exponenten zweier Potenznen sind als Hochzahl hier nicht darstellbar. Deshalb ist ihnen zwecks Kennzeichnung ein E vorgestellt, so wie es in den Anzeigen der Wissenschaftsrechner von Hewlett Packard üblich ist.

Dienstag, 15. Februar 2011

*10* Der Zirkel schließt sich

Im Norden Europas, in Schweden, mussten sie vor 2000 Jahren ihre Reisetaschen packen, die Vandalen. Im Land wären sie verhungert. Zu große Zahl und zu schlecht wirtschaftende Alis. Also richteten sie hoffnungsvoll ihre Blicke nach Süden, bestiegen Kähne, schwammen damit durch die Ostsee nach Süden, um dort ihr Glück zu suchen. Dort saßen schon die Italiener, die damals noch Römer hießen und die riefen den humanitären Notstand aus und versuchten, diese eigenartigen, hungernden Fremden draußen, vor den Grenzen zu halten, wie Berlusconi das jetzt im Süden, vor Lampedusa, versucht. Das ging bekanntlich nicht auf, das Römerreich zerbrach und der Strom der wandernden Völker ergoss sich über ganz Europa und Südrussland. Die Vandalen marschierten an der westlichen Spitze dieser Woge, setzten von Spanien nach Marokko über, marschierten nach Tunis und bestiegen dort wieder Kähne, um Sizilien, Sardinien, Korsika und Palma di Mallorca in Besitz zu nehmen und in Rom persönlich die Tassen zurecht zu rücken. Dann gerieten sie unter die Fänge verschiedener, wieder schlecht wirtschaftender Alis, und deren letzer war eine wachechte Sozialdemokröte. Sie verloren die Inseln, behielten aber Tunis, hatten erst mal 1500 Jahre Pause, zum Nachdenken, was sie allerdings nicht nutzten. Diese Eigenschaft teilen sie mit allen Mitbrüdern der auf diesem Planeten im Gleichschritt marschierenden Affen. Und deshalb nehmen die Völkerwanderungen kein Ende. Dies ist somit ein Naturgesetz, aber der große Albert Einstein konnte es nicht in seinen Relativitätstheorien unterbringen: Es wurde ihm nur jedes Mal schlecht, wenn er ihrer ansichtig wurde. Soldaten, die in Reih‘ und Glied marschieren, mit Flinten bewaffnet, hätten ihr Gehirn umsonst bekommen, befand er: das Rückenmark hätte für sie gereicht. Einer von diesen Rückenmarkbesitzern wollte doch heute tatsächlich 4000 seiner marschierenden Affen an den alten Gestaden von Karthago anlanden und eine Römerkette bilden, um die jetzt nach Norden schwimmenden Nachkommen der Vandalen draußen, in ihrem Elend zu halten.
Natürlich wird das so wenig gelingen, wie es dem mächtigen Amerika nicht gelang, das kleine Vietnam und das kleine Afghanistan, das kleine Venezuela und das etwas größere Brasilien noch mal als auszuplündernde „Föderaten“ ins krepierende Amerikanerreich einzugliedern. Wo bleibt die Intelligenz der Strucks und Guttenbergs? Hitler beschloss erst am 25. April 45, die „Alpenfestung“ auszubauen, zwei Tage vor seiner Götterverdämmerung. Unsere heutigen militärischen Analphabeten lassen die Soldaten im Hindukusch turnen, statt vor Salzburg zu schanzen. Doch was nützt beides, wenn die Ali-Wirtschaft Volksmassen zum Zigeunern zwingt. Halb Nordafrika wird nun durch das Mittelmeer nach Europa schwimmen und die Stämme der Deutschen und Franzosen vor sich her nach Norden treiben. Im Bunde mit den Tunis-Vandalen wird alsbald Griechenland marschieren, das gerade nordafrikanisches Verhungern einübt, während gleichzeitig eine Crew reisefertig gemacht wird, den Fuß dieser terristrischen Totalverrückten auf den Mars zu setzen.

Und wir? Gehen wir über die Ostsee, wieder dorthin, wo alles angefangen hat? Da dort immer noch nichts rechts wächst und weil aus geographischen Gründen dort die Wanderung ohnehin endet, muss der Strom der hungerenden Völker vom Horizontalmarsch ablassen und die Wände vertikal hochgehen, um den 4,5 % Allesbesitzern, zwar nicht eigentlich ihren uns geklauten Reichtum abzunehmen – die vielen gehorteten Möpse können niemand sättigen. Doch wir können sie am Kragen packen und sie dann auf die Zoologischen Gärten verteilen, neben den Affenkäfigen. Sie passen genau dort hin. Weil: Sie leiden schon lange an dem Gefangenschaftssyndrom der Affen, dem sinnlosen rhythmischen Hin- und Herwiegen des Bodies am Rednerpult und dem Gebrüll der Lautstärke von Alpha-Tieren. Habt ihr das schon mal beobachtet? Tut mir leid, dass mir gerade Lafontaine einfällt, der davon auch angesteckt wurde. Die Affen haben immerhin gelernt, dass das Brüllen nichts mehr bringt und halten wenigstens die Schnauze. Wie sehr überragte der in Philosophie etwas beschlagene große König Friedrich seine Affenherden, als er befand, das Preußen-Deutschland eigentlich zustehende Wappentier sei der Affe.

Heute, 14. Februar, Valentin, ist ein Markstein der Geschichte: China wurde die Weltwirtschafts-Nummer 2. Dieses China, das vor 33 Jahren nicht mal 40 % des Bruttosozialprodukts der Steinzeit-Kopfjäger von Papua erwirtschaftete, ist dabei, die Dominanz der Erde zu übernehmen. Weil ausnahmsweise ein bisschen Intelligenz in die Weltevolution kam, ausgehend vom Marx. Marktwirtschaft, nicht mehr unter der Egoismus-Fuchtel der Raubtier-Finanzkapitalisten, sondern unter der Fuchtel von Hammer und Sichel, zur Verwirklichung der umfassenden Brüderlichkeit aller Erdenbürger, die zu schaffen das „Opium für das Volk“, die Religionen, 7000 Jahre niemals fähig waren. Und weil das so ist, müssen sie wieder und wieder den alten Buhmann Stalin hervorkramen. Was der alles gemacht hat. Er kann gemacht haben, was er will: Wenn er nur den Bau jener Hunderttausenden an Panzern, Artilleriegeschützen und Flugzeugen zuwege gebracht hätte, mit denen er den welthistorischen Sieg über den Imperialismus im zweiten Weltkrieg möglich machte, wäre er schon als Großer in die Geschichte eingegangen, ungeachtet aller personalen Mängel dieser Persönlichkeit. Doch er hat mehr getan. Er hat u.a. gleichzeitig ein modernes neues Krankenhaus in der Kleinstadt Woroshba, Ukraine, erbaut. Und noch ein paar Kleinigkeiten. Und er hat nicht nur Wososhba damit bedacht. Er hat damit, in der Tradition der „Erwägungen“ der Pariser Kommune von 1871 stehend, von Marx ausgehend, die roten Banner der Freiheit über die Erde entrollt, die die Volksmassen im Osten Asiens und jetzt im Süden der Welt, in Lateinamerika und Nordafrika in Bewegung setzten, weil der Kapitalismus ihnen gar keine andere Wahl lässt, wenn sie nicht verhungern wollen. Der Gruhl-Absturz ist auf der Tagesordnung, das System kracht donnernd in die Tiefe. Und in Ägypten bilden sich jetzt die Räte, die Organisiertheit entsteht, ohne die keine Revolution siegen kann. Selbst die Konterrevolution kommt nicht umhin, einen „Rat“ zu präsentieren, der allerdings nicht vom Volk gewählt, sondern als kapitalistische Gouvernante der Revolution vor die Nase gesetzt wird. Soviel sie auch setzen: Wenn die Massen keine Arbeit und kein Brot kriegen, vereinigen sich alle aktuellen isolierten Revolutionen zu einer Weltrevolution sozialistischen Charakters. Um mit Marx zu sprechen: Es kömmt nicht darauf an, dass die Massen ihre Forderungen jetzt laut heraus schreien dürfen, sie müssen auch erfüllt werden. Es kömmt darauf an, diese beschissene Welt des Kapitalismus zu verändern. Ich gehe jede Wette ein, dass die Massen sich nicht mit dem Verspeisen eines Wahlzettels als Oblade abspeisen lassen. Sie wollen wenigstens „fünf Brote und 12 Fischlein“, sie wollen was zwischen die Zähne bekommen. Allerdings – und das ist das Schlimme: Wegen der bisherigen sozialen Lernunfähigkeit der Sapiens – sie sind nur groß in Zirkussen der Bambi- und Kameraverleihungen – ist auch die sozialistische Lösung dieser Frage aufgrund der desolaten Entwicklung der Welt nicht mehr als ein Seidenfaden. Doch es bleibt ewig das Beispiel und eine nie versiegende Sehnsucht nach Erfüllung der Forderungen der Pariser Kommune, formuliert in der Poesie des Bertolt Brecht:

„In Erwägung unsrer Schwäche machtet
ihr Gesetze, die uns knechten solln:
Die Gesetze seien künftig nicht beachtet
in Erwägung, dass wir nicht mehr Knecht sein wolln.

In Erwägung, dass ihr uns dann eben
mit Gewehren und Kanonen droht,
haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, dass wir hungrig bleiben,
wenn wir dulden, dass ihr uns bestehlt,
wollen wir mal feststelln, dass nur Fensterscheiben
uns vom guten Brote trennen, das uns fehlt.

In Erwägung, dass da Häuser stehen,
während ihr uns ohne Bleibe lasst,
haben wir beschlossen, nun dort einzuziehen,
weil es uns in unsren Löchern nicht mehr passt.

In Erwägung, es wird euch nicht glücken,
uns zu schaffen einen guten Lohn,
übernehmen wir jetzt selber die Fabriken,
in Erwägung, ohne euch reichts für uns schon.

In Erwägung, dass wir der Regierung.
was sie immer auch verspricht nicht traun,
haben wir beschlossen unter eigner Führung
uns nunmehr ein gutes Leben aufzubaun.

In Erwägung, ihr setzt auf Kanonen,
andre Sprache könnt ihr nicht verstehn,
müssen wir dann eben, ja, das wird sich lohnen,
die Kanonen auf euch drehn.“

Salut!
15.02.2011
Sybilla Engels

Samstag, 5. Februar 2011

*09* Ägyptische Bilanz



In den 10 entscheidenden Eruptiv-Tagen der Revolution probierte die Mubarak-Bande alle Tasten der Klaviatur des Macht-Erhalts aus. Zuerst die Klassik: Wüstes Einschlagen der Polizei auf die Demonstranten, in Uniform. Als das nicht klappte: System Steinzeit. Abziehen der Polizei von der Prügelfront und aus den Gefängnissen, zwecks Freisetzen der Kriminellen, zum Marodieren, um ein rettendes Chaos zu erzeugen. Als das nicht klappte, weil sich eine besondere Form von Räten, die Bürgerwehren bildeten: System Barock! Polizei in Räuberzivil stecken und sie das Chaos durch eine Zwei-Tage-Steineschmeiß-Schlacht organisiert herbeiführen lassen.

Das Kindisch-Verrückte des Sapiens schlägt bei jeder Gelegenheit immer wieder durch. Bei mir weckte es Erinnerungen an den Sommer 1941, 13 Jahre alt, letzte Elementarschulklasse. Es gab da ein mit Wasser vollgelaufenes Baggerloch des bei Kriegsbeginn eingestellten Autobahnbaus. Das benutzten wir als Schwimmbad. Meine lokalen Freunde – und fremde Gleichaltrige aus der nahen Stadt. Dazwischen auch kleinere Kinder. Die fremden Nachbarn, unter der Führung eines Individuums, der mit „Pisser-Knopp“ bezeichnet wurde, begannen mit unfreundlichen Akten zum Kräftemessen und Verdrängen. Beide Gruppen waren mit etwa 8 Pupils gleich stark. Ich bedeutete den unseren, sich aus dem Wasser zurück zu ziehen und sich am Westufer zu sammeln. Als das geschehen war, eröffneten wir die Schülerwürdeverteidigung durch den Angriff mit Steinwürfen auf den Gegner, trieben ihn aus dem Wasser auf das Ostufer und es begann ein Artilleriefeuer-Duell mit Steineschmeißen über die trennende Wasserfläche des Baggerlochs hinweg. Dabei besaßen wir Kinder, auf beiden Seiten, eine hohe Moral, die Erwachsene in ihren Kriegen regelmäßig suspendieren. Um die noch Kleineren, Hilflosen vor den Granaten zu bewahren. Ganz ohne Genfer Konvention, durch Zuruf und zeitweilige Feuerpause, brachten wir sie in die sicheren Etappen.

Unser Problem war: Wir mussten den Gegner, um ihn in die Flucht zu schlagen, durch einen schnell vorgetragenen Überraschungsangriff über den beim Baggern im Loch stehen gebliebenen Weg-Steg-Damm vom Ostufer zurückwerfen, auf die dahinter liegende Aschenfläche, wo ihm keine Steinmunition mehr zur Verfügung stand. Das gelang. Danach konnten wir ihn 500 Meter weiter treiben, bis über die als natürliche Grenze wirkende Bahnlinie. Danach stand es unentschieden, da der Gegner nun auf Eisenbahnschotter zurück greifen konnte. Der Angriff kam zum Stehen, wir aber hatten unsere Würde und unser Revier erfolgreich verteidigt. Dieses Ereignis ging als „Schlacht am Baggerloch gegen die Pisser-Knopp-Bande“ in die Annalen unserer Kindheits-Militärgeschichte ein. Die wir uns, nach weiteren vier Jahren abschminkten, endgültig fürs Leben, als wir, für wenige Tage, den Rest des Pulverdampfes des Krieges der Erwachsenen noch mit zu riechen hatten.

Willenlose Ameisen, nicht lernfähige große Kinder? Man kann es sich aussuchen, wenn man von dieser Warte aus das Treiben, Gestern und Vor-Gestern, auf und an dem Tahrir-Platz, beobachtete. Als das auch nicht mehr funktionierte, durfte das Militär sich mildernde Umstände zubilligen und handeln. Auch das war eine Schlägertruppe Mubaraks, konnte aber nicht als Ersatzpolizei eingesetzt werden, weil die Generäle auf der Seite Mubaraks, die Soldaten aber auf Seiten ihrer Väter und Brüder standen.

Und dann begann, heute, am 11. Tag der Revolution, der Paradigmenwechsel, durch halboffene Geheimdiplomatie: System Rokoko. Barak, die ägyptischen Generäle und die in der ägyptischen Verfassung nicht vorgesehenen „Fünf Weisen aus dem Morgenlande“ (Millionärskapitalisten, garniert mit einem Sahnehäubchen politischen Beharrungsvermögens), setzten nun gemeinsam Mubarak in endgültige Schockstarre, beriefen sich auf juristische Kautelen und die Notwendigkeit eines geordneten Übergangs nach tunesischem Muster, um das System der Klassenherrschaft auf diese Weise, zu ihren Bedingungen, zu erhalten. 10 Tage eierte Barack um den heißen Brei herum, bevor er sich zum Demokratieanforderer mauserte. Der UNO-Chef fordert jetzt die Einführung der Demokratie in Ägypten. Welch ein Armutszeugnis. Welch ärmeres Armutszeugnis, dass die europäischen „Gebildeten“ es für total-normal halten, dass 90 % ihrer Demokratie spielenden Mitglieder Diktaturen sind.

Die ägyptische Revolution konnte nicht mehr bringen als die tunesische. Ihre sozialen/Menschenrechte-Forderungen verwirklichen kann nur die sozialistische Revolution. Das ist den Handelnden nicht bewusst. Sie werden es gelernt haben, nachdem sie wieder beschissen worden sind: Eine solche Revolution, wie sie ihnen ganz schemenhaft erschienen sein mag, ist nicht mit Gebeten, Singen und Volksfestbelustigungsaktivitäten zu gewinnen, bar jeder Führung und Organisation. Mittels Kinder-Steine-Schmeißen müssen sie lernen, dass eine Revolution bewaffnet sein muss. Niemand hielt heute eine Rede, wie Lenin im Vor-Oktober, auf einem Panzerwagen, als er die Aprilthesen verkündete, die der Oktober-Revolution Zielrichtung und Programm gaben. Das Singen auf dem Tahrir-Platz war der Abgesang ihrer bescheidenen Forderungen.    

„Nach Palma di Mallorca“, sagte der unvergessliche Jürgen von Manger, „kommt man zu 50 % mit dem Flugzeug und zu 50 % durch seine eigene Dusseligkeit“. In das von drei Klassendiktatur-Gesellschaften geschaufelte große Baggerloch-Grab zu liegen, kommt die Menschheit ohne die Manger-Alternative: Ganz allein, zu 100 %, durch ihre eigene Dusseligkeit.

Indes: Lernfähige gewinnen immer was dazu. Als ich Vorgestern das Kamelreiterkorps Mubaraks den Tahir-Platz stürmen sah, wusste ich sofort, welche Waffe dagegen hilft. Allerdings: Es war nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich hatte es aus den Erzählungen der gewitzten Alten, der zwei Generationen vor mir. Die steckten sich einen mit Benzol getränkten langen Lappen ein, um den Polizeihunden einen Schlag damit gegen die Ärsche zu verpassen. Worauf diese jedes Beißen vergaßen, mit dem Hinterteil Parterre gingen, um sich das beißende Benzol aus den Arschlöchern zu rutschen. Also: Wenn ich mal in ägyptische Verhältnisse geraten sollte, hätte ich eine Kinderspielzeug-Wasserpistole dabei, mit Benzin gefüllt. Vielleicht wird ein neues Kapitel der Erdgeschichte dadurch eingeläutet, dass eine Kamel-Kavalkade, durch Einspritzen von Benzin in die Arschlöcher, mittels Schleifen derselben über die Pflastersteine der „Befreiungs“-(Tahrir)-Plätze, demobilisiert wird.

Politik, Krieg, Revolutionen – sie müssen in der Spaß-Gesellschaft Spaß machen – was denn sonst? -, sonst hält man das im Kopp nicht aus. Man gönnt sich ja sonst nix.
„Glückliche Stimmung auf dem Tahrir-Platz: ‚WIR HABEN GESIEGT‘“, so geben die Medien die Stimmung auf dem Platz aktuell, um 23 Uhr, wieder. Ja, sie haben etwas erreicht, was vor 12 Tagen nicht gegeben war. Man soll es nicht gering schätzen. Es wird die Initialzündung einer weitreichenden Entwicklung sein, die auf eine ganze Welt überschwappt, die aber erst im mühsamen Kommen ist. Nur krampfhaft kann der Gouvernanten-Norden der Welt sein Fracksausen verbergen. Und wird deshalb unvermeidlich das tun, was eine alte Oma wie ich unlöschbar im Hinterkopf ihrer Erfahrungen hat:

Sommer 1945, Baby-Cage-Kriegsgefangenenlager der Amerikaner in Attichy. Wir schoben Kohldampf. Nicht zu knapp. Und der generierte an einem Mittag einen großen Tumult, so dass die Posten auf den Türmen schon nervös an den Maschinengewehren fummelten. Und da gab es, zur Beruhigung, plötzlich eine Sonderration Brot. Nicht eben viel, doch der hungrige Mensch freut sich über jede Gabe. Als das verkündet wurde, ging der Tumult nahtlos in einen anhaltenden Beifallssturm über. Dann verzehrten wir glücklich die Sonderration. Abends wurde sie wieder abgezogen. Die Essensbilanz war nicht veränderbar. Die Größe der Zuteilung war „alternativlos“. Schon damals. Doch das Tumultpotential war zerschlagen. Das ist die Methode der Ruhigstellung. Die Nordafrikaner werden am Abend nach diesem Sieg genau so wenige Arbeitsplätze für Akademiker und Nichtakademiker haben, wie sie vorher hatten. Sie werden am Abend nach dem Sieg genau so viele Arbeitslose haben wie sie vorher hatten. Und sie werden von den gleichen Leuten regiert, die sie vorher regierten, die die „Sachzwänge“ nicht ändern können, wohl aber für ihren eigenen persönlichen „Sozialismus“ sorgen werden, wie bisher. Der Unterschied ist: Der gestern noch Geohrfeigte kann morgen sein Elend demokratisch publizieren, alles sagen. Auch wählen. Zwischen Dash und Omo. Zwischen Peter Stuyvesant und Lucky Strike. Mehr ist nicht drin.

04.02.11
Sybilla Engels

Freitag, 4. Februar 2011

*08* Stalin, Prigogine und die Brennwerttechnik

Stalin, Prigogine und die Brennwerttechnik:
Dissipative Strukturen. Materie-Selbstorganisation:
Warum das Chaos sich selbst ordnet
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Der Physiker Fritjof Capra hat in seinem Buch „Lebensnetz“ (1996/1999) u.a. auch die Geschichte nachgezeichnet, mit der Mathematiker, Biologen und Computer-Techniker dem Geheimnis nachspüren, wie die chaotische Materie sich physikalisch und geistig selbst organisiert, wie das Geheimnis lebendiger Strukturen an ihrem Uranfang zu erklären ist. Diese Forschungen begannen etwa um 1950 und kumulierten um 1980. Sie geben den Fingerzeig einer Teilantwort zur Forderung Greensteins, ebenfalls zu Beginn der 1980-er Jahre erhoben: „Wir müssen herausfinden, nicht wie Naturgesetze funktionieren, sondern wie ein Naturgesetz überhaupt entsteht“.

Was könnte eruptiv-chaotischer sein als Materie, die hochenergetisch aufgeheizt in Wallung gerät:

“Und wie es wallet und siedet und brodelt und zischt,
wie wenn Wasser mit Feuer sich menget....“.

Was könnte chaotischer brodeln als siedendes Wasser oder aufgeheizte Luft. Doch immer, wenn wir auf dem TV-Schirm das Resultat der ordnenden Hand des Chaoten „Homo Sapiens“ sehen, die Tornados (wie soeben in Palma), dann sehen wir geometrisch-ordentlich geformte Spiralstrukturen. Das Chaos kommt immer geordnet daher.

Stalin illustrierte den Dritten Grundzug der Dialektik
(Allmählich angehäufte Quantität schlägt urplötzlich in eine neue Qualität um)
an aufgeheiztem Wasser. Über eine relativ lange Zeit ändert zugefügte Energie (Wärme) den Zustand
(Aggregatzustand) des Wassers von 20°C nicht. Es nimmt Wärme auf, ohne den gegebenen Zustand zu verändern. Doch plötzlich, innerhalb weniger Sekunden, schlägt der Zustand gesetzmäßig um (100°C sind erreicht), es beginnt zu sieden, erste Mengen gehen in den neuen Dampfaggregatzustand über, der James Watt die Dampfmaschine und in ihrem Gefolge Bahnchef Mehdorn den Dukatenscheißer erfinden ließ: Die auf dieser kräftigen Maschine, ausgestattet mit Rädern sitzen, und eine Lokomotive steuern, sollen mit Hungerlöhnen für das kommunistische Volkswohl der Kapitalisten arbeiten, während sie doch nur für die Shareholder privatwirtschaftliche Reichtümer (Kupons) aus dem Energiedampf schneiden.

Stalin hat das in dieser Bildhaftigkeit nicht angeführt; das war mein Senf dazu. Stalin hat lediglich dargestellt, wie Revolutionen, Umwälzungen also, in Physik und Soziologie gleichermaßen gesetzmäßig, vorbereitet werden, was auch Schiller nicht fremd war:

“Wehe, wenn im Schoß der Städte
der Feuerzunder still gehäuft,
das Volk, zerreißend seine Kette
zur Eigenhilfe schrecklich greift“.

Heine spricht in diesem Zusammenhang vom Messerwetzen, und das schnelle Messer war jüngstens in Ruanda zu besichtigen. Kurz: Stalin, der sozialdemokratische Mehrheitler (Bolschewik), wandte sich gegen den Fimmel der Minderheitler, (die Menschewiken in der „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands“ SDAPR - die Mehrheits-SP Deutschlands gehört zu dieser Sorte) -, die glaubten – weil sie Angst vor den Messern der Reaktionäre hatten -, die Messer derselben mit guten Worten, Sprechblasen und Hartz-IV-Entgegenkommen beschwichtigen, reformieren zu sollen. Stalin: „Deshalb muss man, um nicht fehl zu gehen, in der Politik Revolutionär sein und kein Reformist“. Stalin sagte aber (später) auch (aus dem Gedächtnis zitiert): „An die Adresse der Genossen, die in Gewalt-Eruptionen verliebt sind, sei gesagt, dass Revolutionen auch ohne Eruptionen ablaufen können“. In der Tat: Nicht einmal die klassischen Revolutionen, die französische des Bürgertums und die Oktoberrevolution des Proletariats, waren unstrukturierte, brodelnde Gewaltausbrüche: Sie bedürfen stets der ordnenden Hand kleiner fortgeschrittener Führungs-Kader und der Ordnungsstrukturen einer Revolutionsarmee. Beide entstehen bereits im Vorfeld des Brodelns oder spätestens im Beginn desselben.

Mehr dazu zu sagen, war nicht Stalins Ding; die Grundlagenforschung war noch nicht weiter. Die besorgte u.a. der russische Migrant Ilya Prigogine an der Universität Brüssel. Er griff eine Entdeckung auf, die der französische Physiker Henri Bénard bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemacht hatte und „Bénard-Instabilität“ genannt wird, die, wie Capra am Ende des Jahrhunderts referierte, „inzwischen als ein klassischer Fall von Selbstorganisation gilt“. Wegen ihrer offensichtlichen fundamentalen Bedeutung, darf ich die Deskription Capras ausführlich zitieren.

“Die erste und vielleicht einflussreichste ausführliche Beschreibung selbstorganisierender Systeme war die Theorie der dissipativen Strukturen des in Russland geborenen Chemikers und Physikers Ilya Prigogine, Nobelpreisträger und Professor für physikalische Chemie an der Freien Universität in Brüssel. Prigogine entwickelte seine Theorie zwar aus Untersuchungen physikalischer und chemischer Systeme, aber auch nach seiner eigenen Erinnerung brachte ihn dazu das Nachdenken über das Wesen des Lebens.

   ’Ich interessierte mich sehr für das Problem des  Lebens... Ich habe immer geglaubt, dass uns die Existenz des Lebens etwas sehr Wichtiges über die Natur sagen will’.

Am meisten faszinierte es Prigogine, dass lebende Organismen in der Lage sind, ihre Lebensprozesse unter den Bedingungen des Nichtgleichgewichts in Gang zu halten. Er begann Systeme fern vom thermischen Gleichgewicht zu untersuchen, um herauszufinden, unter welchen genauen Bedingungen Zustände des Nichtgleichgewichts stabil sein können.

Der entscheidende Durchbruch gelang Prigogine in den frühen sechziger Jahren, als er entdeckte, dass Systeme fern vom Gleichgewicht durch nichtlineare Gleichungen beschrieben werden müssen. Die klare Erkenntnis dieser Verbindung zwischen „fern vom Gleichgewicht“ und „Nichtlinearität“ eröffnete für Prigogine einen Weg der Forschung, der ein Jahrzehnt später in seiner Theorie der Selbstorganisation seinen Höhepunkt finden sollte.

Um das Rätsel der Stabilität fern vom Gleichgewicht zu lösen, untersuchte Prigogine keine lebenden Systeme, sondern wandte sich dem viel einfacheren Phänomen der Wärmekonvektion zu, der sogenannten „Bénard-Instabilität“, die inzwischen als ein klassischer Fall der Selbstorganisation gilt. Zu Beginn dieses Jahrhunderts (1900-er Jahre. SE) hatte der französische Physiker Henri Bénard entdeckt, dass die Erwärmung einer dünnen Flüssigkeitsschicht zu seltsam geordneten Strukturen führen kann. Wenn eine Flüssigkeit gleichmäßig von unten erwärmt wird, bildet sich ein konstanter Wärmefluss, der sich von unten nach oben bewegt. Die Flüssigkeit selbst behält ihren Ruhezustand bei; allein ihre Leitfähigkeit (Konduktion) gewährleistet die Übertragung der Wärme. Wenn jedoch der Temperaturunterschied zwischen der oberen und der unteren Grenzfläche einen bestimmten kritischen Wert erreicht, wird der Wärmefluss durch Wärmekonvektion ersetzt, bei der die Wärme durch die kohärente (d.h. zusammenhängende) Bewegung einer großen Zahl von Molekülen übertragen wird.

An diesem Punkt tritt ein ganz auffallend geordnetes Muster von hexagonalen Zellen („Honigwaben“) auf, in dem heiße Flüssigkeit durch das Zentrum der Zellen aufsteigt, während die kühlere Flüssigkeit entlang der Zellwände zum Boden absinkt. Prigogine zeigt mit seiner detaillierten Analyse dieser „Bénard-Zellen“, dass das System, wenn es sich weiter vom Gleichgewicht (d.h. aus einem Zustand der gleichförmigen Temperatur in der gesamten Flüssigkeit) entfernt, einen kritischen Punkt der Instabilität erreicht, an dem das geordnete hexagonale Muster auftaucht.

Die Bénard-Instabilität ist ein spektakuläres Beispiel spontaner Selbstorganisation. Das Nichtgleichgewicht, das durch den ständigen Wärmefluss durch das System aufrechterhalten wird, erzeugt ein komplexes räumliches Muster, in dem sich Millionen von Molekülen kohärent (Hervorhebungen von mir. SE) bewegen, um die hexagonalen Konvektionszellen zu bilden. Bénard-Zellen sind übrigens nicht nur im Laborexperiment zu beobachten, sondern treten auch in der Natur unter verschiedenen Umständen auf. So kann beispielsweise der Abfluss warmer Luft von der Erdoberfläche in den Weltraum hexagonale Zirkulationsstrudel erzeugen, die ihre Abdrücke auf Sanddünen in der Wüste und auf arktischen Schneefeldern hinterlassen.“

Resümieren wir:
(1) Der Prozess der Erwärmung, die „allmähliche“ quantitative Anhäufung von Energie im Wasser, an der Ceran-Kochplatte beginnend, erfolgt zunächst durch Wärmeleitung (Konduktion), wobei die gegebene Ordnung zunächst erhalten bleibt: Es gibt noch keine Ortsveränderung der Wassermoleküle, sie oszillieren vorerst nur stärker um ihre „Nullpunkte“, vergleichbar Revolutionären, die geistig in Wallung geraten, denen das Messer in der Tasche vor Wut aufgeht, die aber noch nicht organisiert Polizeiwachen erstürmen und Regierungsgebäude besetzen.
(2) Der Quantensprung ins Brodeln erfolgt in dem „plötzlichen“ Augenblick, wo die Wärmeleitung nicht mehr zum Energietransport von unten, von der Ceran-Platte, nach oben, zur Wasseroberfläche, mehr reicht: Sie erfolgt jetzt durch Konvektion, durch Umwälzung (Revolution) der Milliarden Wassermoleküle, durch mechanische Bewegung der Moleküle.
(3) Dieser scheinbar chaotische Prozess ist von Anfang an eine geordnete Struktur: Es bilden sich makromare, sichtbare Zellen im Wasser aus, die geometrisch wohlgeformt sind: Sechsecke, einer Bienen-Honigwabenstruktur gleich. (Nebenbei erinnern wir uns: Auch Schneeflocken, die einem ganz anderen Aggregatzustand des Wassers angehören, zeigen diese Sechseck-Struktur, die allerdings eine feste ist (im Gegensatz zu den makromaren Wasserzellen) und einem anderen Formungsprozess unterliegen).
(4) Der Bildung dieser geometrischen Ordnungsstrukturen bei der Konvektions-Umwälzung, dieses kohärente Bewegungsverhalten vieler Milliarden Wassermoleküle (was so aussieht, als ob sie sich hinsichtlich dieses gleichförmigen Verhaltens abgesprochen, verständigt hätten) beruht auf physikalischen Gesetzen. Das heiße Wasser unten muss nun „schnell“ nach oben strömen, weil es leichter ist als das oben befindliche, relativ kühlere Wasser. Das bedingt wiederum, dass das kühlere Wasser nach unten strömen muss. Das geschieht so, das sich Zellen bilden, in deren Kern das heiße Wasser in einem „dicken“, kreisrunden Kernstrahl nach oben strömt, während eine gleiche Menge des kühleren Wassers an den Rändern der Zellen, sich hier geometrisch auf größere Flächen verteilend, was dünne Strömungsmenbranen ergibt, nach unten strömt, wobei die Zellenränder Sechseckform annehmen. Hier endet die Deskription Capras. Doch wir können sie weiter ausführen.
(5) Die sich erhaltenden Strömungs-Zellen erinnern an die Zelle als Grundbaustein organischen Lebens und die Zelle ist wiederum ein von Kedrow ausdrücklich benanntes Grundmuster aller Materiegebilde, eine Ausprägung des Formverhaltens von Kern/Hülle und dieses Formverhalten wurde bereits von Siddharta (Buddha) in den Begriffen Tanku/Futanku, Leere/Nicht-ganz-Leere, erkannt und in dem Satz festgehalten: „Leere ist nichts als Form, Form ist nichts als Leere“. Diese Erkenntnis geht wiederum auf das dialektische Letztprinzip zurück, auf den polaren Gegensatz von Vakuum und Plenum, dessen fundamentale, dominierende Hauptseite das Vakuum ist. Dieser Grundwiderspruch von Logik und damit Natur führt zu dem einheitlichen Grundmuster aller Gebilde „relativer Massenhaftigkeit“ (nach Engels), wie sie Kedrow beschrieben hat, zu dem Kern/Hüllen-Baumuster.
(6) Warum erfolgt diese Wasserbewegung, wie man es
a priori, den Überlegungen des mechanischen Materialismus folgend, erwarten würde, nicht als chaotisches, formloses Brodeln, derart, dass alle Wassermoleküle wild-chaotisch durcheinander wirbeln würden wie ein Bienenschwarm? Warum bilden sich beim Umschlagen von Konduktion in Konvektion sich selbst erhaltende, geometrisch-wohlgeordnete Strömungszellen, Strömungszylinder? Wie sie von den Technikern der Brennwert-Gasheizungen – ohne jemals Anleihen bei der Bénard-Instabilität aufgenommen zu haben – bei den Abgasrohren verwirklicht sind: Die Rohre sind doppelwandig, im inneren, größer dimensionierten „Kern“rohr wird das heiße Abgas nach oben, außen abgeführt; im äußeren, membranartig dünnerem Kreisring-Zylinder gleichen Volumens wird die kalte Frischluft, von oben nach unten strömend, zugeführt. Was der Konstruktionsingenieur aus guten physikalisch-ökonomischen Überlegungen technisch geformt hat, das präformierte die Natur aus eben denselben Gründen schon vorher:
Die wilde, chaotische Strömung, die Turbulenz, kommt zugunsten einer geordneten laminaren Strömung deshalb nicht zustande, weil sie zuviel Reibung erzeugen würde. Im Chaos kämen die kalten und heißen Wassermoleküle sich ununterbrochen gegenseitig in die Quere, würden milliardenfach zusammenstoßen, damit zusätzliche Energie erzeugen, den kürzesten Weg der heißen Moleküle von unten nach oben ebenso unendlich verlängern wie den kürzesten Weg der kalten Moleküle von oben nach unten; die bestmögliche Energieabfuhr würde gemindert. Und darauf reagiert die Natur mit gleichsam ökonomischer „Überlegung“ des Einschlagens des kürzesten Wegs. Sofern das nach den physikalischen Gesetzen/geometrischen Bedingungen möglich ist. Es ist möglich bei einer Wasserschicht von 5 Millimetern Dicke im Bénard-Experiment. Nicht im Riesen-Kugelvolumen der Sonne, wo die im inneren Kernreaktor erzeugten Energietransportteilchen bekanntlich durch Turbulenzen sehr lange Zeit benötigen, um an die Oberfläche zu gelangen.
(7) Warum nehmen die Strömungsmenbranen gerade die Sechseckform an? Das scheint dem Ökonomieprinzip zu widersprechen, weil es den geometrisch allerkürzesten Weg verlängert, der durch Zylinderflächen, also durch die Kreisform der Zellen, gegeben wäre?
Die Kreisform der Zellen würde wieder Reibung erzeugen an den Stellen, wo zwangsläufig zwischen den Strömungszylindern geometrisch bedingte „Hohlräume“ auftreten, Stellen, an denen hier vorhandenes Wasser an der allgemeinen Kreisströmung nicht teil nehmen, deshalb die Wärmeabfuhr nicht mit bewirken kann. Sie würden an Ort und Stelle „stehen bleiben“ und sich damit an den strömenden, ringförmigen Membranen reiben, lokale Turbulenzen auslösen innerhalb der allgemeinen Laminarität. Die maximal erforderliche Wärmeabfuhr würde dadurch gemindert. Das Ergebnis ist die Sechseckform der Strömungsmembranen als die beste Annäherung an die Kreisform, bei Vermeidung der Passiv-„Hohlräume“. Das ist das ganze Geheimnis der konkreten Formbildung bei den vorliegenden physikalischen Gegebenheiten. Das Sechseck erst ergibt das Optimum.
(8) Dieses kohärente Verhalten von Wassermolekülen ist somit rein physikalisch-geometisch zu erklären und hat noch nicht „Absprachen“, Verständigung der Moleküle untereinander zur Voraussetzung. Aber hat sie es nicht im Gefolge? (Farbige Hervorhebung: Siehe dazu die Anmerkung am Schluss. SE). Andere Untersuchungen am Chaos zeigen, dass aus unregelmäßigen Impulsen nach einiger Zeit geordnete Verläufe folgen und dass diese auf eine gewisse Merkfähigkeit zu ihrer Wiederholung hinweisen. Doch das ist hier nicht das Thema. Obwohl die hier geschilderten Ablaufmuster sicherlich eine der Grundlagen sind, die zu intelligentem, kooperativem Verhalten „toter“ Materie hinführen – weil die Materie (nach Charon) organisch-belebt und mit Intelligenz begabt ist.

Anlage: Vergrößerung des von Capra vorgestellten Bildes der Strömungszellen: BILD 4.

06.10.07

Ein im Hauptaufsatz festgestelltes Sisyphus-Syndrom unserer Gattung relativierendes tröstliches Statement Capras sei noch angefügt:

“Das Leben ist nicht so sehr Konkurrenzkampf ums Dasein als vielmehr ein Triumph der Kooperation und der Kreaktivität. Ja, seit der Entstehung der ersten Zellen mit Kernen ist die Evolution durch immer kompliziertere Arrangements von Kooperation und Koevolution vorangekommen.“ (Und dazu gehörte allerdings stets die Entfernung von Krebsgeschwülsten, die Entfernung abgestorbener, untauglicher Sozialstrukturen – aktuell die sich zu Tode stolpernde Gesellschaftsformation ‚Kapitalismus’, mit dem Messer des Operateurs. SE.)

27-08-09


Anmerkung:
Ich habe diese Passage des Manuskripts vom 06-10-07
so stehen lassen, um zu zeigen, wie sehr unser Denken von Überresten des mechanischen Materialismus immer noch geprägt ist. Denn wenn man das vorliegende Phänomen der organisierten Zellenbildung bei Wärmekonvektion intensiver betrachtet, muss man letztlich konstatieren, dass sie ohne intelligentes Verhalten nicht zu erklären ist. Ohne Zweifel ist die Ursache der geordneten Strömung physikalischer Natur (Notwendigkeit des Wärme-Ausgleichs in der Gesamt-Wassermenge, die an einer Grenzfläche erhitzt wird).
Ohne Zweifel ist die von der Natur gegebene Antwort auf das Problem, die hexagonale Zellenbildung, eine einsichtige Folge der gegebenen Gesetzmäßigkeiten der Geometrie. Und, dieses beachtend, wird man dazu verleitet, das sich ergebende Resultat als rein physikalischen Ablauf zu betrachten, bei dem die in der Ökonomie der Zellenbildung zum Ausdruck kommende „Intelligenz“ auf die Gesetzmäßigkeiten der Mechanik reduziert wird, alias zu konstatieren, darin zeige sich noch keine Intelligenz. Ich meine nun, dass das ein Denkfehler ist, der auf unseren alten mechanisch geprägten Vorstellungen von der „toten“ Natur der Materie beruht, die sich blind-torkelnd mechanistisch bewegt und intelligente Emergenzen zufällig hervor bringt, die rein physikalisch-geometrisch zu erklären sind. Doch ist das kollektive Verhalten von Milliarden Wassermolekülen ohne innere Intelligenz zu erklären? Sie müssen sich „schlagartig“ für das Richtige „entscheiden“, dessen Grenzbedingungen zwar physikalisch-geometrisch gegeben sind, aber dennoch die richtige Antwort erfordern: Hexagonale Strömungszellen zu bilden. Sie müssen die ökonomische, intelligente Antwort auf dieses Problem unverzüglich finden. Sie müssen sich darüber verständigen, dieses koordinierte Verhalten anzunehmen und beizubehalten, ohne auseinander zu fallen. Wir sind gewohnt, diese uns „letztlich unerklärlichen“ Phänomene damit abzutun, indem wir postulieren: Hier wirkt eine Naturkraft, ein Naturgesetz (bei Tieren: der Instinkt). Doch wie sollte die blinde Natur organisiert auftreten, ökonomisch perfekte, stabile laminare Strömungszellen aufzubauen und sich nicht der mechanistischen toten, sinnlosen Turbulenz hingeben?

Eine Brücke zur Erklärung bildet das Verhalten großer Kollektive von Fischen, wie sie häufig gezeigt werden. Sie führen Formationsbewegungen, Richtungsänderungen aus, die „blitzartig“ von allen Individuen eines Riesenschwarms, wie auf Zentralbefehl, exekutiert werden. Es gibt mechanistische Erklärungsversuche. Sie wären alle dicht beisammen und das Verhalten des einen, der einem Feind ausweicht, übertrage sich durch die nahe Berührung, von einem zum anderen wandernd, auf den ganzen Schwarm. Man muss diese Bilder der Formationsbewegungen nur genauer betrachten, um festzustellen, dass die Übertragung des Richtungs-Änderungsverhaltens niemals mechanisch erfolgen kann, derart, dass einer nach dem anderen die Richtung deshalb ändert, weil einer die Richtung geändert hat. Der ganze Schwarm, bis zum entferntesten Individuum, vollführt koordinierte Richtungsänderungen schlagartig, und das setzt intelligentes Verhalten, bewirkt durch schnellsten, nichtmechanisch erklärbaren Informationsaustausch voraus. Die Fische tippen sich nicht mechanisch an: Ihre Denkapparate kommunizieren blitzartig. Und sie fallen dabei nicht in Panik, in Turbulenzen, auseinander, sondern halten die Organisation des Schwarms „laminar“ aufrecht.

Es gibt eine verborgene Intelligenz in der Natur, im Leben, die schneller reagiert, die keine so lange Leitung hat, wie das „bewusste“, „intelligente“ Denken des Sapiens, der durch seine ganze Evolutionsgeschichte hindurch wie ein ausgemachter Vollidiot von einer Katastrophe in die nächste stolpert. Er hat sich im Lemming, im Stauffenberg, im Steinmeier, das falsche Vorbild erkoren.

28-08-09
Sybilla Engels


Postskriptum. Leider muss ich das „Bild 4“ der Bénard-Instabilität vorerst schuldig bleiben.

04.02.11
Sybilla Engels